Ehrenamtspauschale im Steuerrecht

Neben einer finanziellen Spende für gemeinnützige Projekte, sind ehrenamtliche Tätigkeiten eine gute Gelegenheit, Menschen
zu unterstützen und sich für das Gemeinwohl einzusetzen.  Doch was ist zu berücksichtigen, wenn Mehraufwände im Rahmen
des Ehrenamts entschädigt werden, wie z.B  Fahrtkosten oder Materialkosten? Der ehrenamtliche Helfer, der diese
Aufwandsentschädigung erhält, hat die Möglichkeit, den Betrag bis zur Grenze von 720 Euro jährlich steuerfrei einzunehmen.
Dieser Steuerfreibetrag aus ehrenamtlichen Tätigkeiten wird als Ehrenamtspauschale bezeichnet. Welche Bedingungen
erfüllt sein müssen, damit diese Ehrenamtspauschale greift, wo man sie in der Steuererklärung aufführen muss und was der
Begriff Aufwandsspende in diesem Zusammenhang bedeutet, erklären wir in diesem Beitrag.

 

Was ist eine Ehrenamtspauschale?

Die sogenannte Ehrenamtspauschale wird auch als Ehrenamtsfreibetrag bezeichnet. Dieser gilt für Menschen, die
ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, bzw. freiwillige Arbeit leisten. Der Begriff hat einen steuerrechtlichen Hintergrund:
Bis zu 720 Euro pro Jahr darf jeder Mensch steuerfrei aus ehrenamtlichen Tätigkeiten als Aufwandsentschädigung einnehmen.
Dazu zählt auch, dass keine Sozialversicherungsbeiträge für diesen Betrag als Abgaben fällig werden. Erhält man durch
bürgerschaftliches Engagement mehr als diese 720 Euro in einem Jahr, muss der Überschuss der Einnahmen versteuert werden,
da er über dem Freibetrag liegt. 
Das Ganze schafft einen Anreiz dafür, dass sich mehr Deutsche ehrenamtlich engagieren, damit
der Aufwand für gemeinnützige Tätigkeiten, wie beispielsweise die Anfahrt oder Kosten für Materialien “entschädigt” wird.

Zusammengefasst ist eine Ehrenamtspauschale also Folgendes:

Merksatz zur Ehrenamtpauschale

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die
Ehrenamtspauschale greift?

 

  1.   Beschäftigung in öffentlich-rechtlicher oder gemeinnütziger Körperschaft
    Gemeinnütziges Handeln bedeutet, dass durch Aktivitäten das Gemeinwohl gefördert wird. Felder, in denen
    oft gemeinnützig gehandelt wird sind  u.a. Sport, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Erziehung
    und Bildung und natürlich humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe.
  1.   Nebenberufliche Tätigkeit
    Eine nebenberufliche Tätigkeit wird zeitlich definiert, was in diesem Falle Folgendes bedeutet: Die ehrenamtliche
    Beschäftigung darf nicht mehr  als ein Drittel der Zeit einnehmen, die für Hauptberuf aufgewendet wird. Nebenberuflich
    ist dabei ein weit gefasster Begriff. Denn auch Hausfrauen / Hausmänner, Studenten / Studentinnen, Rentner /
    Rentnerinnen oder arbeitslose Menschen können nebenberuflichen Tätigkeiten nachgehen. Denn die Hauptbeschäftigung
    muss keine bezahlte Beschäftigung sein.
  1.   Ehrenamtliche Arbeit muss im ideellen Bereich ausgeführt werden
    Das bedeutet, dass die ausgeführte Tätigkeit mit dem Zweck des Vereins / der Organisation übereinstimmen
    muss
    , damit man Anspruch auf die Ehrenamtspauschale hat. Ein Beispiel für einen solchen ideellen Bereich ist
    die Übernahme einer Patenschaft in Zusammenarbeit mit einer gemeinnützigen Hilfsorganisation. Eine genaue
    Definition von Zweckbetrieben könnt ihr in den Paragraphen 65 bis 68 der AO Abgabenordnung nachlesen.
    Dennoch haben wir im Folgenden noch einige Beispiele zur Orientierung gelistet.

 

Für welche Tätigkeiten gilt die Ehrenamtspauschale und für welche nicht?

Nach der Definition von ideeller Arbeit und Zweckbetrieben, haben wir hier einige Beispiele für euch gelistet, für die die Ehrenamtspauschale
greift und Beispiele, für die die Pauschale nicht gilt. Unterschieden wird dabei zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Tätigkeiten.

Tätigkeiten, bei denen die Ehrenamtspauschale greiftTätigkeiten, bei denen die Ehrenamtspauschale NICHT greift
VorsitzenderVerkauf von Speisen oder Getränken bei einer
Vereinsveranstaltung oder in der Vereinsgaststätte
GeschäftsführerVerkauf von Sportartikeln im vereinseigenen Laden
SchatzmeisterVorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von
geselligen Veranstaltungen, für die ein Eintrittsgeld erhoben wird
Referent für ÖffentlichkeitsarbeitGewinnung von Partnern für Banden- oder
Trikotwerbung
JugendleiterAnzeigen in Vereinszeitungen
Bürokraft in der Geschäftsstelle

-

Hausmeister*

-

Platzwart*

-

Gerätewart*

-

Reinigungskraft*

-

*sofern die Räume, Plätze oder Geräte dem ideellen Bereich oder dem Zweckbetrieb zugeordnet sind.

 

Wohin gehört die Ehrenamtspauschale in der Steuererklärung?

Wie weiter oben schon beschrieben, handelt es sich bei der Ehrenamtspauschale eigentlich vielmehr um einen Freibetrag
als um eine klassische Pauschale. Das heißt, – erfüllt man die Voraussetzungen, um eine Ehrenamtspauschale geltend machen
zu können (s.o.) – kann man bis zu 720 Euro im Jahr steuerfrei einnehmen, und nicht einfach das zu versteuernde Einkommen
um 720 Euro reduzieren.

DIESER UNTERSCHIED IST SEHR WICHTIG:

Merksatz Versteuerung Ehrenamtspauschale

Daraus folgt, dass man die Ehrenamtspauschale in seiner Steuererklärung geltend machen kann und belegen muss. Die Eintragung
in der Steuererklärung ist demnach ein Muss. Die Anlagen für Selbstständige und für Arbeitnehmer unterscheiden sich dabei:

 

Ehrenamtspauschale – Steuererklärung für Selbstständige

Eingetragen werden muss der Freibetrag aus ehrenamtlichen Tätigkeiten für Selbstständige in die
Anlage S (Einkünfte aus selbstständiger Arbeit)
Zeile 9 (sonstige selbstständige Arbeit)
Zeile 36 (Einnahmen aus nebenberuflicher Tätigkeit)

 

Ehrenamtspauschale – Steuererklärung für Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer sieht das Ganze etwas anders aus: Die Ehrenamtspauschale gehört in der Steuererklärung in die
Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit).
Liegen die Einnahmen aus Aufwandsentschädigungen durch ehrenamtliche Tätigkeiten unter dem Freibetrag von 720 Euro
in einem Jahr, wird der Betrag in die
Zeile 26 (sonstige selbstständige Arbeit) eingetragen. Beträge, die über diesem Freibetrag liegen müssen in die
Zeile 20 (steuerpflichtiger Arbeitslohn, von dem kein Steuerabzug vorgenommen worden ist).

 

Wie verhält sich die Ehrenamtspauschale bei Ehepaaren?

Junge Eltern küssen ihr Baby

 

Gute Nachrichten: Wenn beide Partner einer eingetragenen
Ehe ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, können dennoch
beide Partner von der Ehrenamtspauschale profitieren und bis
zu 720 Euro jährlich als Aufwandsentschädigung für ihre Arbeit
steuerfrei einnehmen. Diese Regelung gilt sogar unabhängig
davon, ob das paar gemeinsam veranlagt wird oder nicht.

 

 

Was ist eine Aufwandsspende?

Wer berechtigt ist, eine Aufwandsentschädigung für seine ehrenamtliche Tätigkeit in einer gemeinnützigen Körperschaft
zu erhalten, der muss diese nicht annehmen. Der Verzicht auf die Aufwandsentschädigung kann ausgesprochen werden
und das Geld stattdessen dem Verein / der Organisation als Spende zu Gute kommen. Der Fachausdruck für eine solche
Aufwandsspende lautet: „Steuerabzugsfähiger Verzicht auf die Auszahlung eines Erstattungsanspruchs“. Anschließend
kann man den gespendeten Betrag wieder steuerlich geltend machen. So haben beide Parteien einen Vorteil davon.

 

Beispiel für eine Aufwandsspende: 

Ein Vater fährt die Fußballmannschaft seines Sohnes zu Spielen und verzichtet auf die Erstattung des Benzingeldes.
Stattdessen bittet er den Verein, ihm eine Spendenquittung in Höhe der nicht ausgezahlten Aufwandsentschädigung
für das Benzingeld auszustellen. Im Gegenzug dazu hält er schriftlich fest, dass er auf seine Ansprüche aus der
ehrenamtlichen Tätigkeit verzichtet.
Anschließend gibt der Vater den gespendeten Betrag in seiner Einkommenssteuererklärung in der Anlage N an und
hat so Anspruch auf eine Steuerbegünstigung. Mehr dazu in unserem Artikel „Spenden von der Steuer absetzen„.

 

Wo kann ich ehrenamtlich tätig werden?

Das sind doch direkt einige Gründe mehr, sich ehrenamtlich zu engagieren, oder? Stellt sich jetzt nur noch die Frage wo. Zu
diesem Zweck folgt auf Spendencheck.com in Kürze ein Beitrag zum Thema “Ehrenamtliche Tätigkeiten lokal”.

Bis dahin könnt ihr euch in unserem Artikel zu Patenschaften inspirieren lassen, um ehrenamtlich aktiv zu werden.


QUELLEN

http://www.ehrenamt-deutschland.org/verguetung-aufwandsentschaedigung/ehrenamtspauschale.html

http://www.finanztip.de/ehrenamtspauschale/

https://www.vereinswelt.de/vereinswissen/details/article/ehrenamtspauschale.html

https://www.aktiv-online.de/ratgeber/detailseite/news/wie-man-eine-aufwandsspende-leistet-und-von-der-steuer-absetzt-7177