Entwicklungen der Zivilgesellschaft in Deutschland

In diesem Beitrag stellen wir euch die aktuellsten Entwicklungen aus der Zivilgesellschaft in Deutschland vor. Dabei gehen wir insbesondere auf die Ergebnisse der Studie „Zivilgesellschaft in Zahlen“ (ZIVIZ-Survey) des deutschen Stifterverbandes und der Bertelsmannstiftung ein. Insgesamt wurden dabei über 6.000 gemeinnützige Organisationen befragt. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf folgenden Punkten:

  • Entwicklung der Vereinszahlen
  • Rechtsformen, Gründungszeiten und Tätigkeitsbereiche
  • Entwicklung der Freiwilligen und der Mitglieder

 

 

 


Die Zivilgesellschaft in Deutschland wächst:

Vereinszahlen haben Rekordhoch in 2016

Die Zahl der Vereine in Deutschland stieg im Jahr 2016 auf über 600.000. Damit ist der Verein, die mit Abstand beliebteste Organisationsform des dritten Sektors in Deutschland. Auch die 

Mitgliederzahlen steigen – fast jeder zweite Bürger ist Mitglied in mindestens einem Verein.

Dabei stellen Vereine und Verbände mit einem Anteil von 95% den größten Teil der Zivilgesellschaft dar.

Die restlichen 5 % machen neuere gemeinnützige Organisationsformen aus wie

 


Neue gemeinnützige Organisationsformen gewinnen an Bedeutung:

Artenvielfalt in der Zivilgesellschaft 

Gründungsjahr

Die Hälfte der heute aktiven Stiftungen wurde zwischen 2000 und 2010 gegründet. Auch die gemeinnützige GmbH gehört zweifelsohne zu den jüngeren Organisationsformen. Von den heute existenten gGmbHs wurde lediglich jede fünfzigste vor dem Krieg, über die Hälfte aber seit dem Jahr 2006, gegründet.

Zwei weitere gemeinnützige Organisationsformen die immer mehr an Bedeutung für die Zivilgesellschaft gewinnen sind die gemeinnützige Aktiengesellschaft (gAG) und die gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG). Die Organisationsform der gUG wurde in Deutschland 2008 eingeführt. Diese kann man als eine Mini-GmbH mit Gemeinnützigkeitsstatus verstehen. Der wesentliche Unterschied zur gGmbH besteht darin, dass die gUG bereits mit einem Euro Stammkapital gegründet werden kann und dem Gründer trotzdem Haftungsbeschränkung bietet.

Bei der gAG handelt es sich rechtlich betrachtet um eine gewöhnliche Aktiengesellschaft. Mit dem Status der Gemeinnützigkeit gehen steuerliche Vorteile und ein Gewinnausschüttungsverbot für die Organisation einher. Trotz der steigenden gUG- und gAG-Neugründungen machen diese bisher nur einen kleinen Teil der Nonprofit-Landschaft aus.


Tätigkeitsbereiche:

Spitzenreiter Bevölkerungs- und Katastrophenschutz

Im Hinblick auf das Gründungsjahr kann man feststellen, dass Organisationen im Bereich des Bevölkerungs– und Katastrophenschutzes schon am längsten existent sind. Die durchschnittliche Gründungszeit liegt hier im Jahre 1953. Dort finden sich vergleichsweise viele große Vereine mit zum Teil mehreren Tausend Mitgliedern und freiwilligen Engagierten. Jede zweite Organisation des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes wurde vor dem zweiten Weltkrieg oder unmittelbar danach gegründet. Zu den prominentesten Vertretern dieser Organisationsform gehören z.B. die freiwilligen Feuerwehren in Deutschland.

Auch die Tätigkeitsfelder Sport (1970) und Freizeit und Geselligkeit (1980) gibt es schon vergleichsweise lange. Mit 22% ist Sport der größte Tätigkeitsbereich in der Zivilgesellschaft. Sportvereine machen dabei den Löwenanteil aus, gemeinnützige GmbHs und Stiftungen sind in diesem Bereich eher Mangelware. In über 130.000 Sportvereinen sind so viele Mitglieder und Engagierte beteiligt wie in keinem anderen Bereich. 

Die neuen Handlungsfelder

Zu den neueren Handlungsfelder gehören gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben, internationale Solidarität und der Bildung und Erziehung (1999).

Mit einem Anteil von nur 3% handelt es sich bei der internationalen Solidarität um ein relativ neues Tätigkeitsfeld. Auch sind die Organisationen in diesem Segment relativ klein: So können lediglich etwas mehr als ein Sechstel über 100 Mitglieder aufweisen. Zu vermehrten Gründungen kam es erst nach der Jahrtausendwende. So wurde über ein Drittel der Organisationen zwischen 2006 und 2016 gegründet. Eine weitere Besonderheit der internationalen Solidarität ist, dass die Leistungsempfänger Menschen in anderen Ländern sind.

Trotz der Tatsache, dass es sich bei Bildung und Erziehung um junge Bereiche der Zivilgesellschaft handelt, machen diese mit bereits 18% das zweitgrößte Tätigkeitsfeld aus.


Entwicklung der Vereinsmitglieder:

Die Kleinen Vereine wachsen

Die Mitgliederzahlen haben sich im Vergleich zu 2012 kaum verändert:

  • Etwa jeder fünfte der mittleren und großen Vereine (20%) hat über zurückgehende Mitgliederzahlen zu klagen. 
  • Bei den kleineren Vereinen, mit einer Größe von 11 – 50 Mitgliedern, freut sich nahezu jeder zweite Verein über steigende Mitgliedszahlen.
  • Lediglich jeder achte kleine Verein hatte einen Rückgang an Mitgliederzahlen zu verzeichnen.

 

 

 

 

 


Mitgliederentwicklung nach Handlungsfeld:

Verschiebungen statt Veränderungen

Wenn man die Statistik mit der aus 2012 vergleicht, sieht man keine großen Veränderungen. Allerdings gibt es eine Menge Verschiebungen zwischen und auch innerhalb der Tätigkeitsfelder:

  • über die Hälfte der Vereine im Bereich Bürger- und Verbraucherinteressen neue Mitglieder gewinnen können.
  • Ähnlich geht es nahezu jedem zweiten Berufs- oder Wirtschaftsverband.
  • In traditionellen Bereichen wie Sport, Kultur, Medien, Freizeit und Geselligkeit gaben über ein Viertel der befragten Vereine an, dass sie weniger Mitglieder als zuvor haben.
  • Allerdings ist das noch kein Grund zur Sorge. Wie man dem Durchschnitt entnehmen kann, gibt es weiterhin mehr Vereine mit steigenden Mitgliederzahlen als mit sinkenden.

 

 


Freiwilligenentwicklung nach Handlungsfeld

Das Handlungsfeld der internationalen Solidarität wächst

Ähnlich sieht die Entwicklung bei allen Organisationen aus die Freiwillige beschäftigen. Hier wurden vor allem in den Bereichen

  • der internationalen Solidarität und
  • der sozialen Dienste die größten Zugänge verzeichnet.

Besonders im Bereich der internationalen Solidarität ist ein großer Aufschwung zu beobachten: Während über ein Drittel der Organisationen der internationalen Solidarität steigende Freiwilligenzahlen aufweisen, klagen nur 7% über einen Rückgang.

Zu den Verlierern zählen der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, die Wirtschafts- und Berufsverbände. Im Wesentlichen ist allerdings festzustellen, dass im Durchschnitt etwas mehr Organisationen gibt, die sich über einen Freiwilligenzuwachs freuen können, als dass es Organisationen gibt, die Mitglieder verloren haben. Außerdem haben zwei von drei befragten Organisationen keine spürbare Veränderung zum Jahr 2012 feststellen können.

 

 


QUELLEN:

ZiviZ gGmbH (2017).

Vielfalt Verstehen. Zusammenhalt stärken. In http://ziviz.info/download/file/fid/276 , eingesehen am 13.10.2017