Interview mit Prof. Küstermann über Bürgerstiftungen

Wir haben für Euch mit Prof. Dr. Burkhard Küstermann, Berater des Arbeitskreis Bürgerstiftungen im Bundesverband der Deutschen Stiftungen, über bürgerschaftliches Engagement und speziell zum Engagement von Bürgerstiftungen gesprochen.

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Wie erklären Sie das Prinzip der Bürgerstiftung? Was ist das besondere an Bürgerstiftungen im Vergleich zu klassischen Stiftungen?
Prof. Küstermann Das Motto der Bürgerstiftungen ist „Gemeinsam Gutes anstiften“. Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung für das Lokalwesen vor Ort und werden mit Geld, Zeit und Ideen dort aktiv, wo sich in der Kommune besondere Herausforderungen stellen. Mit den Bürgerstiftungen wurde das Stiftungswesen gewissermaßen demokratisiert. Hier kann man sich auch durch den Einsatz kleinerer Beträge oder durch ehrenamtliches Engagement nachhaltig für das Gemeinwesen einbringen.

 

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Warum unterstützen Spender Bürgerstiftungen? Was sind die Motive im Vergleich zu Spendern von bekannten großen internationalen Hilfsorganisationen z.B.?
Prof. Küstermann Gerade in einer zunehmend globalen Welt ist es für viele Bürgerinnen und Bürger wichtig, eine lokale Verankerung zu haben. Auf lokaler Ebene wird unmittelbar sichtbar, was durch das Engagement bewirkt werden kann. Das steigert die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

 

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Was sind aktuelle Herausforderungen für Bürgerstiftungen?
Prof. Küstermann In vielen Bürgerstiftungen steht gerade der Generationswechsel an. Die Gründungsstifter scheiden aus Vorstand und Kontrollgremium aus. Der Einsatz für eine Bürgerstiftung fordert sowohl Zeit als auch ein gutes Gespür für Handlungsfelder und -chancen vor Ort. Da ist es vielfach gar nicht so leicht, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden.

 

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Welche neuen Formen des gesellschaftlichen Engagements werden durch Bürgerstiftungen initiiert?
Prof. Küstermann Bürgerstiftungen verstehen sich als Plattform für bürgerschaftliches Engagement. Wer ein Projekt initiieren möchte, ohne unmittelbar einen Verein zu gründen, der hat die  Möglichkeit, für sein Vorhaben die Struktur der Bürgerstiftung zu nutzen. Bürgerstiftungen können so  zu Katalysatoren für kreative Ideen werden.

 

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Wie wichtig ist die mediale Wahrnehmung für Bürgerstiftungen?
Prof. Küstermann Bürgerstiftungen sind in doppelter Hinsicht auf die mediale Wahrnehmung angewiesen: Zum einen sind sie auf das Wachstum hin angelegt. Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger muss durch die mediale Wahrnehmung geweckt und gefördert werden. Zum anderen wollen Bürgerstiftungen dort aktiv werden, wo aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger ein besonderer Bedarf besteht. Damit die Bürgerstiftungen in dieser Weise von der eigenen Kommune wahrgenommen und genutzt werden, bedarf es ebenfalls der öffentlichen Aufmerksamkeit.

 

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Gibt es eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Bürgerstiftungen?
Prof. Küstermann Da Bürgerstiftungen in ihrem räumlichen Wirkungskreis beschränkt sind, stehen sie nicht in Konkurrenz zueinander. Daher sind die Vertreter der Bürgerstiftungen interessiert und offen, von den Erfahrungen und Ideen andere Bürgerstiftungen zu lernen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat mit der Initiative Bürgerstiftungen ein eigenes Kompetenzzentrum eingerichtet, dass sich insbesondere die Zusammenarbeit der Bürgerstiftungen zur Aufgabe gemacht hat. Die vielfältigen Angebote sind auf der Website (buergerstiftungen.org) einzusehen.

 

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Wie gelingt es Bürgerstiftungen Nachhaltigkeit aufzubauen?
Prof. Küstermann Viele Bürgerstiftungen starten mit einem noch recht überschaubaren Stiftungskapital. Für ein dauerhaftes und nachhaltiges Agieren müssen also weitere Mittel eingeworben werden. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die eigene Überzeugung der handelnden Personen. Je stärker ich selber von meinem Tun begeistert bin, umso eher leichter wird es mir gelingen, diese Begeisterung auf andere  zu übertragen.

 

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Welches Engagement schätzen Sie besonders? Gibt es Initiativen deren Engagement besonders hervorsticht?
rof. Küstermann Die Arbeit der Bürgerstiftungen ist so breit gefächert, dass es schwer fällt, einzelne Initiativen besonders hervorzuheben. Nicht umsonst bin ich seit mittlerweile über 13 Jahren in diesem Bereich des Engagements aktiv. Mich fasziniert es am meisten, wenn es den Bürgerstiftungen über eine bloße Förderung hinaus gelingt, Veränderungen vor Ort zu bewirken: Die Bürgerstiftung Wiesbaden macht im BürgerKolleg Verantwortliche in Vereinen fit für ihre Aufgabe und kann so eine große Hebelwirkung erzielen. – Die Bürgerstiftung Stuttgart hat eine Methode entwickelt und perfektioniert, um Menschen an einen „Runden Tisch“ zu bringen und gemeinsam Lösungen für drängende Probleme zu entwickeln. – Mit dem ganz niedrigschwelligen „Singen auf der Würfelwiese“ gelingt es der Bürger.Stiftung.Halle Menschen zusammenzubringen.

 

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Welche wesentlichen Unterschiede sehen sie zu anderen Gütesiegeln /Selbstverpflichtungen im NonProfit- Bereich? Warum noch ein Gütesiegel? Warum bewerben sich Bürgerstiftungen nicht für die anderen Gütesiegel und Angebote?
Prof. Küstermann Der Begriff der Bürgerstiftung ist gesetzlich nicht geschützt. Durch die Schaffung der „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ und das Gütesiegel sollte hierfür ein gewisser Ausgleich geschaffen und so das Selbstverständnis der Bürgerstiftungen in Deutschland gestärkt werden. Heute können wir feststellen: Das Gütesiegel hat überzeugt und die Gemeinschaft der bestehenden Bürgerstiftungen in Deutschland wesentlich gestärkt.

 

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Wie gehen Sie mit neuen Bürgerstiftungen um, die noch in Gründung sind bzw. in den Kinderschuhen stecken und noch gar nicht alle Voraussetzungen für eine solche Bewerbung erfüllen?
Prof. Küstermann Die Gütesiegeljury hat diese Problematik erkannt. Daher können sich ab dem kommenden Jahr nur noch solche Bürgerstiftungen um das Gütesiegel bewerben, die auf eine gewisse Erfahrung zurückblicken und so auch tatsächlich eine Gewähr für die Erfüllung der „10 Merkmale“ bieten können.

 

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Was sind die „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“?
Prof. Küstermann Eine Bürgerstiftung zeichnet sich durch folgende 10 Merkmale aus:

  • Gemeinnützigkeit
  • Initiative geht i.d.R. von mehreren Stiftern aus
  • wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit
  • geografisch regionale Ausrichtung auf eine Stadt, einen Landkreis oder eine Region
  • Aufbau von Stiftungskapital über Zustiftungen oder Projektspenden
  • breiter Stiftungszweck zur Förderung des städtischen oder regionale Lebens und umfasst den kulturellen Sektor, Jugend und Soziales, das Bildungswesen, Natur und Umwelt und Denkmalschutz
  • Förderung von bürgerschaftlichem Engagement
  • aktive Öffentlichkeitsarbeit
  • lokale Netzwerkkordination
  • Partizipation durch Bürger und Transparenz

 

 Spendencheck LogoSpendencheck Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für das Thema neben Ihrer Professur in Cottbus weiterhin in diesem Bereich zu engagieren?
 Prof. Küstermann Die Kreativität und die Einsatzbereitschaft der Engagierten vor Ort motivieren mich. Es ist toll, Leute unterstützen zu dürfen, die durchdrungen sind von ihrer Begeisterung.