Patenschaft als ehrenamtliche Tätigkeit

Im Gegensatz zu einer Partnerschaft bezeichnet eine Patenschaft im klassischen Sinne laut Duden die “freiwillige einseitige Übernahme einer Fürsorgepflicht”. Diese Definition hört sich zugegeben noch etwas abstrakt an. Traditioneller Weise kennen wir den Begriff vielleicht noch aus unserer eigenen Kindheit in Zusammenhang mit unseren Taufpaten. Inzwischen hat sich der Begriff einer Patenschaft weiterentwickelt, sodass man auch im kommerziellen oder politischen Bereich auf den Begriff der Patenschaft stößt. Wir wollen uns in diesem Beitrag näher mit dem Patenschaftsbegriff aus humanitärer Sicht beschäftigen.

Was bedeutet der Begriff Patenschaft?

Wenn ihr Pate werden möchtet, könnt ihr euch entweder ehrenamtlich oder finanziell engagieren.

  • Patenschaft mit ehrenamtlichem Engagement: Hier spendet ihr als Pate in erster Linie eure Zeit, in der ihr Erfahrungen und Wissen mit eurem Patenkind teilt. Eine Patenschaft, die auf persönlichem Engagement und Austausch zwischen Pate und Patenkind basiert, bietet vielfältige Möglichkeiten eure persönlichen und sozialen Fähigkeiten einzubringen, weiterzuentwickeln und neue Perspektiven kennenzulernen.
  • Patenschaft mit finanziellem Engagement: Bei dieser Form der Patenschaft spendet ihr als Pate vor allen Dingen Geld und unterstützt euer Patenkind regelmäßig finanziell. Häufig findet man dieses Fomat in Form von internationalen Patenschaften.

Zusammengefasst bedeutet das also Folgendes:

Du bist Pate, wenn…

✓  du freiwillig regelmäßig Zeit mit einem Menschen oder Tier verbringst, die nicht vergütet wird.

✓  du eine persönliche Verbindung mit deinem Schützling aufbaust (wenn dein Engagement auf Zeitspenden beruht).

ODER….

✓   du regelmäßig Geld an eine Organisation spendest, die den Betrag an deinen Schützling weiterleitet.

✓  du ggf. einen Vertrag über die Zeit und die Höhe der regelmäßigen Unterstützung unterzeichnet hast.

Welche Patenschaften mit finanziellem Engagement gibt es?

Die gängigsten Formen eine finanzielle Patenschaft zu übernehmen sind internationale Patenschaften oder Tierpatenschaften.

Internationale Patenschaft:

Header Lächelndes KindInsbesondere international agierenden NGOs bieten diese Patenschaftsform an. Paten aus der sogenannten ersten Welt unterstützen Menschen aus vergleichsweise ärmeren Ländern vor allem finanziell. Diese Art der Patenschaft ist eine beliebte Form der Dauerspende für einen guten Zweck. Das Besondere dabei ist die Verbindung der finanziellen Spende mit einer zwischenmenschlichen persönlichen (Ver-)Bindung zwischen Pate und Patenkind. Die Beziehung kann sogar bis zu einem persönlichen Besuch vor Ort gehen und der Spender kann auch persönlich erfahren, wo seine finanzielle Unterstützung verwendet wird. Wichtig ist hier darauf zu achten, dass nicht ein Großteil der Spende in den Serviceleistungen der Organisation für den Spender “versandet”.

Tierpatenschaft:

Header Tierpflegerin füttert Baby TigerOb Zwergziege, Schneeleoparden, Konenkranich, Nasenbär oder Schneeeule – der Kreativität und Angebotsvielfalt für die Übernahme von Tierpatenschaften sind keine Grenzen gesetzt. Zoos, Tierheime oder Tierschutzorganisationen bieten Patenschaften für einzelne Tiere oder ganze Tierarten an. Durch das finanzielle Engagement unterstützt der Pate die Unterkunft und Versorgung des Tieres bzw. die Erhaltung und den Schutz von natürlichem Lebensraum für bedrohte Tierarten.

Welche ehrenamtlichen Patenschaften gibt es?

Lehrerin mit kleinem Mädchen

Bei der ehrenamtlichen Patenschaft steht vor allen Dingen das Spenden von Zeit und Wissen im Vordergrund. Das unentgeltliche soziale Engagement des Paten findet i.d.R. in der eigenen Region statt. Beliebte Formate hier in Deutschland sind z.B. Lesepatenschaften für Kinder, Familienpatenschaften in Form von einer etwas allgemeineren Unterstützung oder sogenannte Buddy bzw. Mentoren-Programme für die persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Diese Form von Patenschaften ermöglicht vor allen Dingen auf die individuelle Belange der Patenkinder einzugehen.

 

  • Familien-Patenschaft:
    Insbesondere für jüngere Familien gibt es Unterstützung in Form von Patenschaften. Hier unterstützen die Paten i.d.R. junge Eltern oder Alleinerziehende mit Kleinkindern bei praktischen, alltäglichen aber auch administrativen oder erzieherischen Aufgaben. Hier steht nicht die direkte Kinderbetreuung im Vordergrund sondern die Hilfe für die Eltern, Probleme und Herausforderungen des Alltags, insbesondere in der ersten Lebensphase eines Kindes, zu meistern.
  • Lesepatenschaft:
    Vorlesen hat einen positiven Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung. Dieses ehrenamtliche Engagement findet oft direkt in Kitas, Schulen oder Bibliotheken statt. Der Berliner Verein Lesewelten e.V. bietet z.B. regelmäßig Vorlesestunden mit einem Team von freiwilligen Lesepaten an.
  • Mentoren- bzw. Buddyprogramme und Bildungspatenschaft:
    Hier steht die Betreuung von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund. Die Mentoren bzw. Buddies unternehmen mit ihren Paten (oder auch Mentee genannt) gemeinsame Freizeitaktivitäten, unterstützen sie bei der Persönlichkeitesentwicklung, den Hausaufgaben oder der Berufswahl und geben ihre Erfahrungen an das Patenkind weiter. So bietet z.B. das Ausbildungspatenprojekt des Kölner Vereins Ceno ein zwei-jähriges Paten-Programm an, welches Hauptschüler beim Übergang von Schule in die Ausbildung begleitet.

Wie kann ich ehrenamtlicher Pate werden?

Grundsätzlich kann jeder Pate werden, der an Menschen oder Tieren interessiert ist und bereit ist, seine Zeit, sein Geld, sein Wissen und/oder seine Erfahrungen im persönlichen Kontakt mit einem Patenkind oder Mentee weiterzugeben. Als Pate bist Du Vorbild und eine zusätzliche Bezugsperson für das Patenkind. Wichtige Bausteine einer Patenschaft z.B. mit Kindern und Jugendlichen sind dabei das Erkennen und Fördern der Stärken des Patenkindes und eine Hilfestellung bei eigenen Entscheidungen des Schützlings zu leisten. Bevor man sich eine Organisation, ein Projekt oder Tätigkeitsfeld aussucht, kann man sich vorab ein paar Fragen stellen, die dabei helfen zu prüfen, ob man die für Paten wichtigen Grundvorraussetzungen mitbringt:

✓  Einsatzbereitschaft: Bist du interessiert an Menschen und bereit, dein Wissen und deine Erfahrungen im persönlichen Kontakt weiterzugeben? Bist du bereit, regelmäßig und langfristig dafür Zeit aufzuwenden?

✓  Begeisterungsfähigkeit: Bist du motiviert, selbstbewusst und in der Lage, Menschen neue Perspektiven aufzuzeigen?

✓  Konfliktfähigkeit: Bist du in der Lage, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben und nicht aufzugeben?

✓  Zuverlässigkeit: Hältst du dich an Termine und Absprachen? Kannst du vertrauliche Informationen für dich bewahren?

Wie gehe ich vor, wenn ich ehrenamtlicher Pate werden will?

Zunächst gilt es eine geeignete Organisation zu finden. Die meisten Organisationen bieten Informationsveranstaltungen und Workshops im Vorfeld einer Patenschaft an. Dort kannst du dich über die Ziele und Inhalte der Arbeit schlau machen und herausfinden welche Rechte und Pflichten auf dich zu kommen. I.d.R. findet dann im Anschluss dazu das sogenannte Matching statt. Hier sucht die Organisation dann ein für den Paten passendes Patenkind aus. Da Organisationen insbesondere beim sogenannten Matching unterschiedliche Vorgehensweisen haben, empfiehlt es sich bei den Organisationen im Detail nachzufragen. Interessant ist auch, ob die Organisation Weiterbildungen oder Erfahrungsaustausch während des Patenschaftsprogramms anbietet. Die Initiative “Aktion zusammen wachsen” vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat dazu einen umfassenden und hilfreichen Leitfaden entwickelt mit Checklisten und detaillierten Informationen zum Thema.

Welche bekannten Organisationen gibt es, die Patenschaften anbieten?

Die größten und bekanntesten Organisationen, die internationale Patenschaften anbieten sind beispielsweise Plan, World Vision, SOS-Kinderdörfer und die Kindernothilfe. Allein in Deutschland haben diese Organisationen zusammen über 500.000 Fördermitglieder. Auch beliebt und weit verbreitet sind neben Kinderpatenschaften die Tierpatenschaften.

Bei der Auswahl der Organisation sollte gute Recherche betrieben werden. Wie man seriöse Spendenorganisationen von unseriösen Organisationen unterscheiden kann, steht in unserem Beitrag zum Thema Spendensiegel in Deutschland. Es gibt auch eine umfassende Datenbank zur Projektauswahl in diesem Bereich. Sind die Voraussetzungen dafür, eine Patenschaft zu übernehmen nicht gegeben – aus welchen Gründen auch immer – haben wir hier eine Auswahl an Spendenprojekten zusammengestellt, die Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen Hilfestellung bieten und sie bei Ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung unterstützen:

Warum ist eine Patenschaft eine gute Sache?

Vater trägt seinen Sohn auf den SchulternPatenschaften sind ehrenamtliche Tätigkeiten. Das bedeutet, dass freiwillige Arbeit geleistet wird, die einem gemeinnützigen Zweck dient. In diesem Falle werden hauptsächlich Kinder und Jugendliche oder Tiere unterstützt. Ob rein finanziell oder mit der Weitergabe des eigenen Wissens spielt dabei keine Rolle.  Auch viele deutsche Promis haben den Mehrwert dieser Arbeit erkannt: Andrea Sawatzki, Udo Lindenberg und Ulrich Wickert – um nur einige Beispiele zu nennen. Sie alle überweisen monatlich Beträge an gemeinnützige Hilfsorganisationen, die an Kinder in Entwicklungsländern in Form von Schulbildung, Kleidung oder Nahrung weitergeleitet werden.

 

✓  Erfahrungen teilen macht Spaß
Bei direkten, persönlichen Patenschaften mit Kindern kann man seine Erfahrungen an die nächste Generation
weitergeben.

✓  Finanzielle und persönliche Unterstützung möglich
Die Form der Spende muss bei einer Patenschaft nicht zwangsläufig finanziell erfolgen. Zeitspenden sind
mindestens genauso sinnvoll und effektiv.

✓  Direktes Feedback bei Zeitspenden
Bei Patenschaften in Form von Zeitspenden bekommt man direktes Feedback und Dank für die Arbeit.

 

Patenschaften zusammengefasst – Alles auf einen Blick

In der folgenden Tabelle haben wir verschiedene Arten der Patenschaft für euch verglichen. Wenn ihr euch fragt, welche Patenschaft am besten zu euch passt, schaut euch die jeweiligen Voraussetzungen und Pflichten in der Tabelle an und überlegt, welche Patenschaft euch am meisten erfüllen würde.

 TierpatenschaftKinderpatenschaftFamilienpatenschaftBildungspatenschaft
Pate für...
  • Ein Tier

  • Mehrere Tiere

  • Eine ganze Tierart
  • Ein Kind
    (regional / national / international)

  • Mehrere Kinder
    (regional / national / international)
  • Meist junge Familien mit Kindern

  • Familien, die in der Bewältigung des Alltags Unterstützung brauchen
  • Ein (jugendliches) Kind

  • Eine Gruppe (jugendlicher) Kinder
Voraussetzungen
  • Finanzielle Sicherheit für den jeweiligen Betrag

  • Bei persönlichem Kontakt genug Flexibilität, Zeit und Interesse

  • Spaß an der Arbeit mit Tieren
  • Finanzielle Sicherheit für den jeweiligen Betrag

  • Bei persönlichem Kontakt genug Flexibilität, Zeit und Interesse

  • Bei einer internationalen Patenschaft sollte es okay sein, wenn kein direkter Kontakt mit dem Patenkind erfolgen kann
  • Genug freie Zeit (wie viel Zeit genau ist fallspezifisch)

  • Motivation und Lust, Eltern zu entlasten und Zeit mit Kindern zu verbringen

  • Bewusstsein darüber, dass diese Patenschaft ehrenamtlich erfolgt

  • Einfühlsamkeit

  • Ggf. finanzielle Sicherheit für monatliche Beträge
  • Genug Zeit, um die individuellen "Lernzeiten" einhalten zu können

  • Freude daran, sein Wissen weiterzugeben

  • Gewisse Sprachkompetenz

  • Gewisse Lesekompetenz

  • Didaktische Fähigkeiten (lehren, wie man lernt)

  • Einfühlsvermögen
Pflichten
  • Regelmäßige Geldzahlung an den dazugehörigen Tierschutzverein

  • Abschließen eines kündbaren Patenschaftsvertrages, der u.a. die Höhe der Zahlungen festhält

  • Ggf. Übernahme einer Fürsorgepflicht
  • Regelmäßige Geldzahlung an die Hilfsorganisation

  • Abschließen eines kündbaren Patenschaftsvertrages, der u.a. die Höhe der Zahlungen festhält

  • Ggf. Übernahme einer Fürsorgepflicht
  • Einhaltung der vereinbarten Zeiten, in denen man sich mit der Patenfamilie / einzelnen Familienmitgliedern trifft

  • Der familie zur Seite stehen, wenn sie Hilfe benötigt

  • Als Vertrauensperson agieren
  • Zuverlässige Einhaltung der vereinbarten Termine

  • Nicht gleich zu viel verlangen, sondern spielerisch vorgehen

  • Aufmerksam sein und Begabungen entdecken

  • Vorbildfunktion wahrnehmen
Beliebte Organisationen
Berühmte Paten (Bsp.)
  • Stefan Raab

  • Bernd Stelter

  • Wilfried Schmickler
  • Mario Götze

  • Wolke Hegenbarth

  • Udo Lindenberg

QUELLEN:

www.patenvergleich.de

http://aktivpaten.de/

https://www.aktion-zusammen-wachsen.de/fileadmin/redaktion/Broschueren_barrierefrei/17-04-21_Patenleitfaden_BARRIEREFREI.pdf