Wie schädlich sind Schneekanonen für die Umwelt?

Wenn der Schnee auf sich warten lässt oder früher taut, als von der Touristikbranche erhofft, dann werden Schneekanonen auf den Pisten in Betrieb genommen, um Alpinsport-Freunden den erhofften sportlichen Winterurlaub zu bescheren. Es ist allgemein bekannt, dass eine solche künstliche Beschneiung der Umwelt keinen Gefallen tut – doch wie schädlich ist der teure Einsatz von Schneekanonen wirklich?

 

Fakten zur künstlichen Beschneiung in Skigebieten

  • Die Klimaerwärmung in Alpengebieten ist in den letzten 50 Jahren etwa mit 1,2 Grad etwa doppelt so hoch wie im weltweiten Vergleich
  • Zwischen 2005 und 2011 hat sich in den Alpen die Fläche der mit Kunstschnee bedeckten Pisten verdoppelt
  • Im Schnitt müssen Pisten an 100 Tagen im Jahr befahrbar sein, damit sich die Skianlagen rentieren
  • Kunstschnee kostet etwa 3 bis 5 Euro pro Kubikmeter
  • Allein im Skigebiet Brauneck bei Garmisch-Partenkirchen wurden 2014 etwa 3,5 Millionen Euro in den Betrieb von Schneekanonen investiert
  • Im Jahr werden etwa 95 Millionen Kubikliter Wasser für Kunstschnee verbraucht
  • Der Wasserverbrauch für Schneekanonen auf einer Fläche von 24.000 Hektar entspricht dem einer Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern
  • Auf einer Skipiste mit künstlicher Beschneiung läuft etwa 35 mal mehr Wasser ab als in einem normalen Bergwald

 

Was bedeutet Kunstschnee für die Umwelt?

Austrocknung der Alpengewässer

Wie bereits erwähnt, werden im Jahr etwa 95 Millionen Kubikliter Wasser für den Einsatz von Schneekanonen verbraucht. Da stellt man sich schnell die Frage:

Wo kommt all dieses Wasser her?
Die Antwort: In erster Linie aus natürlichen Bergflüssen, -bächen und -seen. Droht das natürliche Wasserkontingent zu verschwinden, werden künstliche Speicherseen angelegt, die einzig und allein der Speisung der Schneekanonen dienen. Diese künstlich angelegten Seen beinhalten oft zu warmes Wasser für die Schneeproduktion, weshalb aufwendige Kühlungsprozesse vorgenommen werden müssen. In den Alpen haben betroffene natürliche Flüsse nach der jährlichen Skisaison bereits 70% weniger Wasser als bevor Schneekanonen derartig intensiv in Betrieb genommen wurden.

Das Problem dabei:
Bis zu 30% des verwendeten Wassers verdunsten bei der Produktion von Kunstschnee. Folglich bleibt nur ein kleiner Teil dessen überhaupt auf den Pisten liegen. Die niedrigeren Wasserstände in betroffenen Gewässern bleiben auch im Sommer nicht aus, da die Natur einer derartigen Ausbeutung nicht nachkommen kann. Ein niedrigerer Wasserpegel beeinträchtigt die umliegende Flora und Fauna.

Veränderung der Vegetation

Pisten, die künstlich beschneit werden sollen, müssen noch besser planiert und vorbereitet werden, als natürliche Pisten. Diese Plättung und Bearbeitung des Bodens macht es heimischen Pflanzen schwerer, im Bergland Halt zu finden, im Sommer steigt daher das Risiko für Erderosionen und Hochwasser.

Klimaerwärmung

Künstliche Beschneiung, beheizte Lifte und moderne Hotelanlagen – Die Entwicklungen in Wintersportgebieten sind alles andere als nachhaltig. Der überdurchschnittlich hohe Wasser- und Stromverbrauch und der zusätzliche CO²-Ausstoß beschleunigen die Klimaerwärmung zusätzlich. Lange werden die Gletscher in den Alpen diesem kontinuierlichen Temperaturanstieg nicht mehr standhalten.

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Kann man umweltfreundlich Skifahren gehen?

Letztendlich führt all dies zu der Frage aller Fragen: Muss ich komplett auf meinen Skiurlaub verzichten oder kann ich trotzdem umweltfreundlich Skifahren gehen?

Zu einem gewissen Grad: Ja.
Wer nicht gänzlich auf den jährlichen Wintersport verzichten will und folgende Tipps beim nächsten Skiurlaub beachtet, der hat Grund, den Skizirkus wieder etwas mehr zu genießen:

 

6 Tipps für umweltfreundliches Skifahren

  1.  Den Wetterbericht beobachten und dann seinen Urlaub planen, wenn die Wahrscheinlichkeit für Schneefall besonders hoch angesagt wird, damit  die Nutzung von Schneekanonen nicht überbeansprucht wird.
  1.  Mit dem Zug in nächstgelegene Skigebiete reisen, um den CO²-Ausstoß der An- und Abreise zu vermindern.
  1.  Skigebiete mit regenerativen Energien besuchen. Bsp.: Alpine Pearls – Ein Zusammenschluss von 24 Skigebieten, die sich dem umweltbewussten  Wintersport verschrieben haben.
  1.  Nachhaltige oder private Unterkünfte buchen. Anbieten würden sich hierfür sogenannte Bio-Hotels.
  1.  Auf den gekennzeichneten Pisten bleiben, um wildlebende Tiere nicht zu stören.
  1.  Keinen Müll liegen lassen. Denn auch, wenn es teilweise nicht mehr so aussieht: Skigebiete sind Naturgebiete, die unter Plastikmüll leiden und  sich von übermäßiger Verschmutzung nicht mehr erholen können.

 

Spenden für Klima & Umwelt

Einige gemeinnützige Organisationen in Deutschland haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Klimawandel aktiv durch Projekte entgegenzuwirken. Auf Spendencheck haben wir eine Auswahl an seriösen Spendenprojekten zu diesem Thema zusammengestellt: Jetzt Wunschspendenprojekte im Bereich Klima & Umwelt entdecken.


QUELLEN:

Frankfurter Rundschau (2014).
Warum Kunstschnee der Umwelt schadet. In: http://www.fr.de/experte-erklaert-warum-kunstschnee-der-umwelt-schadet, eingesehen am 01.03.2017.

Gerrit (2014).
5 Urlaubstipps für umweltfreundliches Skifahren. In: https://www.snowplaza.de/5-urlaubstipps-fuer-umweltfreundliches-skifahren, eingesehen am 01.03.2017.

Martin, Marion (2012).
Grüner Skifahren. In: http://www.geo.de/reisen/reise-inspiration/gruener-skifahren, eingesehen am 01.03.2017.

Spiegel Online (2007).
Schneekanonen drohen Alpen auszutrocknen. In: http://www.spiegel.de/umweltfolgen-schneekanonen-drohen-alpen-auszutrocknen, eingesehen am 01.03.2017.

Volz, Tanja (2013).
Skifahren auf Kunstschnee. In: http://www.stuttgarter-zeitung.de/umwelt-skifahren-auf-kunstschnee, eingesehen am 01.03.2017.