Spenden in Deutschland 2016

Jährlich werden verschiedene Studien veröffentlicht, die die Situation auf dem deutschen Spendenmarkt analysieren und zusammenfassen. Diese Studien werden immer ein Jahr rückwirkend veröffentlicht. In diesem Beitrag haben wir die Ergebnisse von Studien, die 2017 veröffentlicht wurden und die Situation des Spendenmarktes in Deutschland in 2016 analysieren, zusammengefasst. Grundlage der Daten sind die Bilanz des Helfens 2017, das NGO-Meter 2017 und die Altruja Online-Fundraising Studie 2017, die jeweils Studien zu Spenden in Deutschland für das Jahr 2016 ausgewertet haben.

 

 

Wieviel wurde 2016 in Deutschland gespendet?

Wie hoch sind die durchschnittlichen Spenden in 2016 gewesen, wie oft wurde im Schnitt gespendet und wie hoch war das Spendenvolumen insgesamt? Diese Fragen klären wir in diesem Absatz.


Statistik zu Spendeneinnahmen 2011 bis 2016 in Deutschland

 

Gesamtspendenvolumen 2016

 

2016 wurden in Deutschland insgesamt 5,3 Milliarden Euro für gemeinnützige Zwecke gespendet. Das waren 4,9% weniger als 2015, wo es noch 6,4 Milliarden Euro waren. 2014 war allerdings auch von der Flüchtlingskrise und Naturkatastrophen wie dem schweren Erdbeben in Nepal geprägt, weshalb dieses Ergebnis das zweithöchste der letzten 10 Jahre darstellt. Der leichte Abfall der Spenden in 2016 lässt sich somit logisch erklären und bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Spendensummen in Deutschland nun einem Abwärtstrend folgen werden. Denn im normalerweise saisonal bedingt stärksten Monat des Jahres, Dezember, erreichte das Spendenaufkommen 2016 anteilig mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau. 2015 waren es im Dezember ganze 14,6% weniger.

 


Statistik zur durchschnittlichen Spendenhöhe pro Spendenakt in Deutschland 2011 - 2016

 

 

Höhe einer Durchschnittsspende in 2016

 

Während 2015 pro getätigter Spende durchschnittlich 37 Euro überwiesen wurden, waren es ein Jahr später noch 35 Euro. Dieser Wert kann als stabil eingestuft werden und gibt nicht zwingend einen Abwärtstrend vor, wie die Statistik zeigt. Denn 2011 war eine Spende in Höhe von 29€ pro Spendenakt der Durchschnitt. Das sind immer noch 6 € weniger, als es 2016 im Durchschnitt waren. Da dieser Wert einen Durchschnitt darstellt, können auch kleine Beträge sehr aussagekräftig sein.

 

 

 


Statistik zur Anzahl der Spender in Deutschland von 2005 bis 2016

 

 

Anzahl der Spender 2016

 

2016 haben in Deutschland insgesamt 22,1 Millionen Menschen gespendet, was 33% der deutschen Bevölkerung entspricht. 2015 waren es 22,7 Millionen Personen. Somit ist ein Rückgang von etwa 2,7% in der Anzahl der Spender in Deutschland innerhalb der letzten 2 Jahre zu verzeichnen. Die Anzahl der Spender in Deutschland (gemessen an Spendern über 10 Jahren) geht seit dem Piek in 2005, wo ganze 34,6 Millionen Menschen Geld spendeten, kontinuierlich zurück. Vielleicht geht der Trend weg von vielen Menschen, die kleine Summen spenden hin zu weniger Menschen, die spenden und dafür hohe Beträge überweisen.

 


Statistik Spendenhäufigkeit pro Spender pro Jahr in Deutschland von 2005 bis 2016

 

 

Spendenhäufigkeit 2016

 

2015 hat ein Spender durchschnittlich 6,6 Mal pro Jahr eine Hilfsorganisation mit finanzieller Hilfe unterstützt. 2016 waren es bereits 6,7 Mal. Seit 2005 steigt die  durchschnittliche Spendenhäufigkeit pro Spender in Deutschland kontinuierlich an. Es ist ein eindeutiger Aufwärtstrend zu erkennen, wie die Statistik zeigt. Wir sind gespannt, wie es sich dieses Jahr entwickelt.

 

 

 


Wer hat 2016 gespendet?

Wer hat eigentlich zu dem Gesamtspendenvolumen 2016 beigetragen? Wir haben hier Merkmale der Spender zusammengefasst, um die Frage “wer hat 2016 in Deutschland gespendet?” beantworten zu können.

Statistik zum Anteil der Altersklassen am Gesamtspendenvolumen 2014 bis 2016

Altersgruppen

Auch 2016 waren die über 70 Jährigen wieder am meisten an dem Gesamtspendenaufkommen beteiligt. Ganze 40% des Gesamtspendenaufkommens sind durch die Altersgruppe 70 Plus eingegangen. Auch das überdurchschnittlich hohe Spendenvolumen im Dezember 2016 ist hauptsächlich durch Spenden von über 70-Jährigen entstanden. Die über 70-Jährigen spendeten nicht nur höhere Beträge, sondern auch ihren Anteil in der Altersgruppe: 70 Plus macht nun nicht mehr nur 11,5% der Altersgruppen aus, sondern bereits 13%.

Bei der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen ist allerdings ein eindeutiger Rückgang sowohl in der durchschnittlichen Spendenhöhe als auch in der Anzahl der Spender zu verzeichnen. Die Spendensumme pro Spender ist in dieser Altersgruppe von 2016 im Vergleich zu 2016 sogar um 50 Euro zurückgegangen.
Das anteilige Spendenvolumen der Altersgruppen der bis 29-Jährigen, der 30 bis 39-Jährigen, der 50 bis 59-Jährigen und der 60 bis 69-Jährigen ist dahingegen ziemlich stabil, wie die Statistik zeigt.


Für was wurde 2016 gespendet?

Auch 2016 war mit über 76 % die Infografik Spendenzwecke 2016 in DeutschlandHumanitäre Hilfe wieder der beliebteste Spendenzweck. Gefolgt mit großem Abstand von Spenden für den Tierschutz mit 5,5 %, Spenden für Sport mit 2,7 %, Spenden für Kultur- und Denkmalpflege mit 2,6 % und Spenden für Umwelt- und Naturschutz mit 2,5 %. Das Spendenvorlumen für den Bereich Humanitäre Hilfe teilt sich noch auf folgende Unterthemen auf:

  • Kinder- und Jugendhilfe (21%)
  • Kirche / Religion (20,4%)
  • Not- und Katastrophenhilfe (11,8%)
  • Krankheit / Behinderung (9,4%)
  • sonstige humanitäre Hilfe (14,3%)

Wahrscheinlich lässt sich daraus schließen, dass Spender am liebsten anderen Menschen direkt helfen, bevor indirekte Spendenmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.

 

 


Infografik zu Spendenanstößen 2016 in DeutschlandSpendenauslöser 2016

Wie schon in den Vorjahren benötigten die meisten Menschen 2016 keinen direkten Anstoß zum Spenden. Das liegt in erster Linie daran, dass sie selbst bereits Dauerspender waren oder regelmäßig Mitgliedschaftsbeiträge an Vereine zahlten, die ebenfalls in das Gesamtspendenvolumen miteinberechnet werden.
Auch die ziemlich hohe Erfolgsquote von persönlich adressierten Briefen ist im Vergleich zu den Vorjahren 2016 stabil geblieben.
Nach persönlichen Briefen folgen Freunde, Kollekte, Medien, persönliche Ansprache und schlussendlich Aufrufe über das Internet.

 

 

 

 


Wann wurde am meisten gespendet?Infografik Höhe der Geldspenden in Deutschland nach Monaten 2015 und 2016

Der einzige Monat, in dem 2016 mehr gespendet wurde als 2015 war der Dezember. Ganze 15% mehr Spenden sind im Dezember 2016 eingegangen als im Dezember 2015. Dennoch kann insgesamt ein Rückgang von 5% der Geldspenden von 2016 zu 2015 verzeichnet werden.
Ab September wird alljährlich auf den Spendenboom im Dezember hingearbeitet.

 

 

 

 

 

 

 

 


Alles auf einen Blick

Spenden Überblick Spendencheck

 

 

Zusammenfassend ist folgendes festzustellen:

  • Sowohl das Spendenvolumen als auch die durchschnittliche Spendenhöhe sind im Vergleich zum Vorjahr um etwa 5 Prozent zurückgegangen.
  • Jeder dritte Bürger in Deutschland spendet mindestens einmal im Jahr für wohltätige Zwecke.
  • Junge Menschen spenden seltener als Menschen, die sich in ihrem Lebensabend befinden.
  • Drei Viertel der Gesamtspenden im Jahr 2016 gingen in den Bereich der humanitären Hilfe.

 

 

 

 

 


Spenden in Europa und den USA 2016Spenden in Europa 2016

USA – Nirgends wird mehr Geld gespendet.

Wie man der Infografik deutlich entnehmen kann, sind die USA das mit Abstand spendefreudigste Land der Welt. In Hinblick auf die Spendenhöhe pro Einwohner und den prozentualen Anteil des Spendenvolumens am Bruttoinlandsprodukt sind die Vereinigten Staaten unangefochtener Spitzenreiter. Das liegt zum einen daran, dass die Zahlen für die USA Zuwendungen an Kirchen beinhalten zum anderen an einer anderen Lebenseinstellung, die von historischen Erfahrungen des Einwanderungslands und dem teils immer noch weitmaschigen sozialen Netz in den USA. Ein weiterer Grund für die ausgeprägte Spendenverhalten ist das amerikanische Steuersystem:

  • Gemeinnützige Organisationen zahlen keine Steuern.
  • Gemeinnützige Organisationen werden bis zu einem Drittel mit staatlichen Zahlungen unterstützt.
  • Privatpersonen können Geldspenden bis zu einer Höhe von 50 Prozent ihres Bruttoeinkommens abziehen.

Großbritannien – Der europäische Spitzenreiter

Ähnlich sieht es bei dem großen Bruder der Vereinigten Staaten, Großbritannien aus. Hierbei handelt es sich um das Land mit dem größten Spendenkuchen in Europa. Das Fundraising ist in Großbritannien komplett im Alltag integriert:

  • In den Fußgängerzonen und Supermärkten findet man stets Charity-Infostände.
  • Der Charity-Shopping-Ansatz wird in den Kaufhäusern konsequenter verfolgt und umgesetzt.
  • Sammelbeutel für Altkleider werden im Briefkasten hinterlassen.

Ganz egal, ob beim Einkaufen, Ausgehen, Essen oder beim Arbeiten – alle Lebensbereiche in Großbritannien sind vom Fundraising durchdrungen. Auch der Brexit hatte keine negativen Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft – im Gegenteil: stolze 89 Prozent der Briten über 16 Jahre gaben an sich gemeinnützig oder durch Geldspenden im Jahr 2016 engagiert zu haben. Dabei lag der Anteil der Geldspender bei 61 Prozent.

Schweiz – Der deutschsprachige Spitzenreiter

Betrachtet man die deutschsprachigen Länder, stellt man fest, dass in der Schweiz ist das Spendenvolumen vergleichsweise hoch ist. So gaben 82% der Haushalte an im Jahr 2016 Geld gespendet zu haben. Dabei gehören die privaten Haushalte zu den bedeutendsten Spendern. Drei Viertel der Schweizer Einwohner spenden mindestens einmal im Jahr Geld. Ähnlich wie bei der USA ist es den Schweizern besonders wichtig zu bestimmen wann und wie viel sie spenden. Im Vergleich zu Deutschland und Österreich sind in der Schweiz besonders viele Superreiche ansässig, die auch sehr viel spenden – so hat sich in den letzten 20 Jahren das Spendenvolumen von wohlhabenden Schweizern verdoppelt. Weiterhin orientiert sich die Philanthropie in der Schweiz zunehmend am angelsächsischen Raum (siehe Großbritannien), wo Spenden in wohlhabenden Kreisen zum Guten Ton gehört.

Österreich holt auf

Österreich liegt in diesem Vergleich sowohl mit der durchschnittlichen Spendenhöhe pro Einwohner als auch mit dem Anteil des Spendenvolumens am BIP relativ weit zurück. Nichts desto trotz konnte Österreich, im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, das prognostizierte Ergebnis 2016 noch übertreffen. Im Trendvergleich mit den deutschsprachigen Ländern wurde die Durchschnittsspende pro Einwohner ermittelt und das Wachstum ab 2008 berechnet. In diesem langjährigen Vergleich sticht Österreich mit dem mit Abstand höchsten Wachstum (+70%) vor Deutschland (+29%) und der Schweiz am meisten hervor. Allerdings ist hierbei auch unbedingt zu erwähnen, dass Österreich den mit Abstand höchsten Aufholbedarf hat.


Quellen

http://www.fundraiser-magazin.de/praxis-archiv/erfahrungsbericht-fundraising-erleben-in-uk.html (Abgerufen am 18.12.2017)

http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2011/give-me-five-12779 (Abgerufen am 18.12.2017)

http://www.fundraiser-magazin.de/forschung-news/uk-giving-report-2017-kein-spendenrueckgang-durch-brexit.html (Abgerufen am 18.12.2012)

http://www.fundraising.at/LinkClick.aspx?fileticket=VvP4l4d1NLk%3d&tabid=421&language=de-DE (Abgerufen am 18.12.2017)

https://www.zewo.ch/Dokumente/Spendenstatistik-Archiv/Spendenstatistik-2016.pdf (Abgerufen am 18.12.2017)

https://www.nzz.ch/finanzen/so-macht-spenden-alle-froh-ld.1336241 (Abgerufen am 18.12.2017)

https://www.nzz.ch/warum_wir_spenden-1.8497921 (Abgerufen am 19.12.2017)

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/schweizer-reiche-spenden-immer-mehr (Abgerufen am 19.12.2017)