Was tun bei Depressionen? – Weltgesundheitstag

Was tun bei Depressionen? – zum Weltgesundheitstag: Zur Erinnerung an die Gründung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 wurde der Weltgesundheitstag eingeführt. Seit 1950 wird dieser jedes Jahr am 07. April begangen, wobei das Motto von Jahr zu Jahr wechselt. Das Motto des Weltgesundheitstages richtet sich nach dem aktuellen Schwerpunktbereich der Arbeit der WHO. Dieser Tag bietet die Gelegenheit, gesundheitspolitische Schlüsselthemen in Angriff zu nehmen und wird außerdem als Auftaktveranstaltung für längerfristige Kampagnen genutzt. Jedes Jahr soll am Aktionstag ein vorrangiges Gesundheitsproblem in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden.

Die Gesundheit wird in der Verfassung der WHO als ein Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert, der sich nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet.

 

Was tun bei Depressionen?
Weltgesundheitstag 2017: “Depression – Let’s talk”

Dieses Jahr lautet das Thema des Weltgesundheitstages “Depression – Let’s talk”. Die WHO definiert Depressionen als eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann. Doch was tun bei Depressionen? Was sind Depressionen und wie entsteht die Krankheit? All das wird im Folgenden Beitrag erläutert.

Depressionen stellen international ein bedeutendes gesundheitliches Problem dar. Dabei entwickelt sich diese Krankheit ganz unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Status. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens mit Depressionen kämpfen zu müssen, beläuft sich auf 11-15 Prozent.

Die WHO verfolgt mit dem diesjährigen Thema zum Weltgesundheitstag das Ziel, die Öffentlichkeit besser über diese Krankheit, Ursachen und Konsequenzen zu informieren und möchte zudem Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Gesellschaftliche Vorurteile und Stigmatisierungen sollen abgebaut und das Verständnis für Betroffene gestärkt werden.  

 

Wie entstehen Depressionen?

Es gibt nicht den einen Grund, weshalb ein Mensch an Depressionen erkrankt. Die Krankheit wird meist durch das Zusammenspiel von mehreren Faktoren ausgelöst:

  • Genetische Veranlagung
    Die Basis bildet häufig eine genetische Veranlagung. Das Erkrankungsrisiko ist bis zu dreimal so hoch, wenn bereits Familienmitglieder an Depressionen leiden. Betroffene reagieren sensibler, besitzen eine geringere Toleranz gegenüber verschiedenen Belastungs- und Stresssituationen und weisen eine erhöhte Verletzlichkeit auf. 
  • Stoffwechsel- bzw. Funktionsstörungen im Gehirn
    An Depressionen erkrankte Menschen weisen im Vergleich zu gesunden Menschen häufig eine niedrigere Aktivität von bestimmten Botenstoffen (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin) im Gehirn auf. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Stoffwechsel- bzw. Funktionsstörungen im Gehirn. Die niedrige Aktivität der sogenannten Glückshormone, kann medikamentös behandelt werden. Ärzte können im Rahmen einer Therapie “Antidepressiva” verschreiben, um die Symptome einer Depression zu lindern. Eine Depression kann durch die Einnahme von Medikamenten allein jedoch nicht geheilt werden.
  • Entwicklung in der Kindheit
    Weitere Faktoren die zu einer Entstehung einer Depression beitragen können sind z.B. eine fehlgeleitete Entwicklung in der Kindheit, wie beispielsweise ein ängstlich-fürsorglich geleiteter Erziehungsstil. Dieser kann dazu führen, dass Fähigkeiten, wie z.B. der Umgang mit Stress, nur gering ausgeprägt sind. Aber auch der frühe Verlust eines Elternteils oder eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung können zu einer besonderen Verletzlichkeit gegenüber Enttäuschungen führen und so das Risiko an einer Depression zu erkranken erhöhen. Ebenso sind Personen, deren Persönlichkeit sich durch Selbstunsicherheit, Überkorrektheit und Ordentlichkeit auszeichnet, besonders gefährdet.

Weitere Risikofaktoren, die Untersuchungen zufolge das Entstehen einer Depression begünstigen sind das Single-Dasein, Arbeitslosigkeit, wenig gesellschaftliche Kontakte, Leben in der Großstadt, niedriger Ausbildungsgrad / geringe Qualifikation, sowie der regelmäßige Konsum von Cannabis, Alkohol und sonstigen Drogen.

 

Spenden für Hilfe bei Depressionen

Hilfsorganisationen, die Erkrankten und Angehörigen Hilfe und Unterstützung bieten

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Auf Spendencheck haben wir mit Spendensiegeln ausgezeichnete Projekte gelistet, die sich mit dem Thema Hilfe bei Depressionen beschäftigen. Ob das Anbieten von Selbsthilfegruppen für Betroffene, Angehörige und Familienmitglieder, die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Depressionen, Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit oder präventive Angebote – all diese ehrenamtlichen Projekte benötigen finanzielle Unterstützung.

Jetzt Projekte unterstützen, die Hilfsangebote für Betroffene von Depressionen anbieten.

 

Habe ich Depressionen?

Es ist äußerst wichtig, diese Krankheit frühzeitig zu erkennen, weshalb die Frage Habe ich Depressionen? sehr wichtig sein kann. Denn nicht behandelte, schwere Depressionen können die Gefahr von Suizidversuchen und Suiziden (Selbsttötungen) mitsichbringen. Depressionen können sich auf sehr unterschiedliche Arten und Weisen äußern:

Typische charakteristische Anzeichen einer Depression:

  • Antriebslosigkeit, Energielosigkeit
  • Innere Unruhe
  • Eine anhaltende Herabgestimmtheit
  • Gefühllosigkeit / innere Leere
  • Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle
  • Körperliche Beschwerden wie Kopf-, Glieder- oder Magenschmerzen

Viele Betroffene scheuen sich davor, einen Arzt aufzusuchen. Deshalb wird Schätzungen zufolge nur jede zweite Depression erkannt und entsprechend behandelt.

Von der WHO wurde ein kleiner Selbsttest entwickelt, mit dem jeder herausfinden kann, ob Tendenzen einer Depression vorliegen. Dieser Selbsttest, bestehend aus fünf Fragen, ersetzt keineswegs eine ärztliche Diagnose, liefert aber erste Anhaltspunkte. Zu dem Selbsttest der WHO auf der Seite der Apotheken-Umschau geht es hier lang.

 

Gibt es nützliche Apps zum Thema Depression?

Tatsächlich gibt es einige Apps, die dabei helfen sollen, bei sich selbst eine Ersteinschätzung durchzuführen, durch die man eine vermeintliche Erkrankung an Depressionen erkennen kann. Diese Apps ersetzen allerdings keinesfalls einen Arztbesuch und sollten daher nur als grobe Orientierung genutzt werden. Wir stellen im Folgenden zwei Apps vor, die sich den Fragen Habe ich Depressionen? oder Was tun bei Depressionen? widmen.

14-tägiger Selbsttest zur Erkennung einer Depression per App

Moodpath Screenshot Was tun bei Depressionen Weltgesundheitstag

Eine andere und tiefer gehende Möglichkeit für eine erste Einschätzung bietet die kostenlose Depressions-App “Moodpath”. Mit Hilfe eines 14-tägigen anonymen Screenings erhält der Nutzer eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung zu seiner psychischen Gesundheit. Zusätzlich bekommt der Nutzer eine Zusammenfassung der Ergebnisse als PDF-Dokument. Dieser „Arztbrief“ kann ein Erstgespräch mit einem Arzt oder Psychotherapeuten erleichtern.

Hilfe für depressive Menschen per App

Selfapy App

Der Online Depressionskurs von Selfapy basiert auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und besteht aus interaktiven Übungen, Videos und Informationsmaterial. Der Nutzer wird bei Bedarf durch wöchentliche Telefongespräche mit einem persönlichen Psychologen unterstützt. Während des 9-wöchigen Kurses erkennt der Nutzer negative Denkmuster und erlernt neue Verhaltensweisen. Zentral sind dabei auch die Stärkung des Selbstwertgefühls und Themen wie Achtsamkeit, Ernährung, Sport und Schlaf.

Was tun bei Depressionen?

Tipps gegen Depressionen

Je nach Art und Ausprägung der Depression gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, diese Krankheit zu behandeln. Bei leichten Depressionen können bereits Veränderungen des Lebensstils helfen, einen Weg aus der Depression zu finden. Bei schwereren Fällen von Depressionen ist eine Therapie in Form von Gesprächen, eine Psychotherapie oder die Einnahme von Medikamenten, wie Antidepressiva, notwendig. So individuell wie die Krankheit selbst, sollte daher auch ihre Behandlung sein.

5 Selbsthilfe Tipps bei leichten Depressionen:

  • Mit sich selbst Nachsicht haben
    Wer sich seelisch und körperlich nicht gut fühlt, sollte nicht über sich selbst enttäuscht sein. Negative Gedanken, wie “Jetzt schaffst du nicht mal das.” und ähnlich abwertende Aussagen, können die Depression mit unter sogar noch verschlimmern. Die Lösung lautet also Nachsicht und Geduld mit sich haben. Mit der Zeit kann man es aus dieser schweren Phase des Lebens herausschaffen.
  • Kleine Ziele für jeden Tag
    Man sollte sich nur kleine Aktivitäten für den Tag vornehmen und sich dafür loben. Das gute Gefühl, etwas, dass man sich vorgenommen hat, auch geschafft zu haben, kann einem neue Energie für den nächsten Tag geben.
  • Gut und gesund Essen
    Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf unser seelisches Befinden. Durch unsere Nahrungsaufnahme können wir z.B. auch die Produktion von Glückshormonen positiv beeinflussen. Kohlenhydrate können nachweislich unsere Stimmung heben. Aber auch der Eiweißbestandteil Tryptophan ist ein wahres Wundermittel. Er wird von unserem Körper in das Glückshormon Serotonin umgewandelt. Nüsse, Samen und Keime (Sonnenblumenkerne, Cashewnüsse, etc.), aber auch hochwertiges Kalbs- und Rindfleisch liefern besonders viel des wertvollen Tryptophans.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung
    Körperliche Aktivität hat ebenfalls einen sehr großen Einfluss auf unser Wohlbefinden, denn sie kann uns helfen, von negativen Gedanken abgelenkt zu werden, neues Selbstbewusstsein aufzubauen, aber auch neue soziale Kontakte zu knüpfen. Die Endorphinausschüttung nach dem Sport unterstützt zudem den Abtransport des Stresshormons Kortison.
  • Hilfestellungen nutzen
    Das Lesen von Selbsthilferatgebern oder das Aufsuchen von Selbsthilfegruppen kostet vielleicht etwas Überwindung, aber kann von großem Nutzen sein. Verständnis von Gleichgesinnten, Erfahrungsaustausch und hilfreiche Tipps für den Alltag können den Weg aus einer Depression erleichtern.

Sollten Sie es allein nicht aus Ihrer Depression schaffen, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt aufzusuchen. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. In einer Therapie lernen Sie, mit Ihren Problemen und negativen Gefühlen umzugehen.

 

Wie gehe ich als Angehöriger mit depressiven Menschen um?

Die Krankheit Depression kann einen Menschen völlig verändern. Angehörige fühlen sich in dieser Situation oft hilflos und überfordert, haben Schuldgefühle oder entwickeln Wut. Daher lautet der wichtigste Ratschlag:

Akzeptieren einer Depression als Erkrankung!

Depressive klagen über Verzweiflung und Schmerzen. Diese sollten nicht als übertrieben abgetan werden. Im Gegenteil: Verständnis und Geduld sind hier gefragt. Wenden Sie sich nicht von Ihrem erkrankten Angehörigen ab, auch wenn er Ihnen noch so abweisend erscheint.

Ist ein Patient über Monate hinweg depressiv, belastet die Krankheit sicher auch seine Angehörigen. Wer als Angehöriger betroffen ist, sollte auf seine eigene Grenze der Belastbarkeit achten und sich selbst auch regelmäßig etwas Gutes tun, um wieder Kraft zu tanken.

Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen! Man kann einem depressiven Menschen nicht raten, einfach abzuschalten oder “sich mal zusammenzureißen”. Aufmunterungsversuche und Ratschläge können die Schuldgefühle des Erkrankten oftmals sogar verschlimmern.

 

Können Depressionen zu Suizid führen?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja. An schweren Depressionen erkrankte Menschen haben mit einem hohen Suizidrisiko zu kämpfen. Ca. die Hälfte der schwer depressiven Menschen begehen in ihrem Leben mindestens einen Suizidversuch und bis zu 15% nehmen sich tatsächlich das Leben.

Die Suizidrate in Deutschland ist erschreckend hoch, 2015 haben sich 10.080 Menschen selbst das Leben genommen (im Vergleich dazu starben 3.475 Menschen durch Verkehrsunfälle).

Soweit muss es jedoch gar nicht erst kommen. Durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten kann die Krankheit gut behandelt und den Menschen geholfen werden. Betroffene nehmen die notwendige medizinische Hilfe oft aus Scham oder Unwissenheit nicht in Anspruch. Ein Ausscheiden aus dem Leben erscheint für diese Menschen als Ausweg, als Befreiung von all ihren Leiden.

Ein Suizid verändert das Leben der Hinterbliebenen. Trauer und Depressionen haben zwar ähnliche Symptome, aber in den entscheidenden Punkten sind sie grundverschieden. Trauer ist die natürliche Reaktion auf einen schweren Verlust. Sie hat einen konkreten Anlass und ist zeitlich begrenzt. Trauer kann jedoch auch unter Umständen zu einer ernsthaften Depression führen. Daher ist eine emotionale Unterstützung in dieser Zeit besonders wichtig. Bitten Sie Freunde, Nachbarn oder Verwandte um Hilfe. Aber auch Selbsthilfe- oder Trauergruppen können den nötigen Trost in dieser Zeit spenden und so über diese schwere Zeit hinweg helfen.

 

 


QUELLEN:

Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa (2017).
Über Uns. In: http://www.euro.who.int/de/about-us, eingesehen am 06.04.2017

Apotheken Umschau (2017).
Thema: Depressionen. In: http://www.apotheken-umschau.de, eingesehen am 04.04.2017

Moodpath (2017).
In: https://www.moodpath.de/de/, eingesehen am 04.04.2017

Weltgesundheitstag (2017).
Informationen zum Weltgesundheitstag 2017. In:http://www.weltgesundheitstag.de/cms/,  eingesehen am 04.04.2017

Wikipedia (2017).
Selbsthilfegruppen. In: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbsthilfegruppeeingesehen am 04.04.2017

Stiftung Deutsche Depressionshilfe (2017).
Depressionen und Suizidalität. In: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/depression, eingesehen am 05.04.2017

Stiftung Deutsche Depressionshilfe (2017).
Rat für Angehörige. In: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/rat, eingesehen am 04.04.2017

PAL Ratgeber Verlag (o.J.).
Behandlung einer Depression – Depression Hilfen. In: https://www.palverlag.de/Depressionen-Behandlung.html, eingesehen am 05.04.17

Neurologen und Psychiater im Netz (o.J.).
Ursachen einer Depression. In: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie, eingesehen am 05.04.17

Statista – Das Statistik Portal (2017).
Anzahl der Sterbefälle durch Suizid in Deutschland nach Art der Methode in den Jahren 2011 bis 2015. In: https://de.statista.com/selbstmordmethoden-in-deutschland-2006,  eingesehen am 05.04.17

Statista – Das Statistik Portal (2017).
Anzahl der Verkehrstoten in Deutschland bis von 1991 bis 2016. In: https://de.statista.com/todesfaelle-im-strassenverkehr, eingesehen am 05.04.17